MICHAEL LÖSEL . Wort, Spiel und Musik
Responsives Bild

Michael Lösels makabre Blues-Sprechgesänge in der Kofferfabrik

Skelett-Tangos und Tierchen im Teich

Fürther Nachrichten, 26.11.2008

Wenn am Totensonntag Musik erklingt, sollte sie der Stimmung angemessen sein. Die Kofferfabrik war fein heraus, denn sie hatte Michael Lösel zu Gast. Und dessen Lieder sind so dunkelgrau wie das Herbstwetter.

Lösel bedient sich einer Art Sprechgesang. Für die Neuauflage seines Programms «Finster war’s, der Mond schien helle» reflektiert der Nürnberger Literat die Themen Melancholie, Tod und Endlichkeit. Süffisant, morbid, poetisch, romantisch und böse zugleich zelebriert dieser ungewöhnliche Chansonier seine Werke, die wie nachtschwarze Perlen schimmern.

Jedes Stück birgt eine Geschichte, die man wirklich nicht selbst erleben möchte. Wer dabei war in der "Koffer", weiß nun, wie es einem Kerl geht, der in Kneipen neben dem Friedhof auf gefallene Engel und wandelnde Tote trifft. Immer wieder kommt er mit Dingen, die Menschen unter 18 nicht unbedingt hören sollten. Kaum schwimmen nette Tierchen im Sommerteich, schon sind sie tot. Und sein Sohn kann nicht schlafen. Sehr gemein, sehr treffend.


Lösels tiefe, zuweilen spröde Stimme ist der einzige Halt weit und breit. Wer aber meint, dieses Universum aus Kindern in der Tiefkühltruhe, Amokläufern und Einsamen ziehe den Zuhörer runter, täuscht sich. Der GitarrenBlues und der herrlich makabre Humor, der sagt "Macht die Augen auf, so ist eben das Leben", lassen keine Tränen zu.

Es entsteht eine Atmosphäre wie bei der viel besungenen Party auf dem Wiener Zentralfriedhof. Die Skelette tanzen mit den Lebenden Tango, alle bestellen noch ein Glas. So dreht man der November-Tristesse eine Nase.

Claudia Schuller